Die Zunge als Spiegel der Gesundheit

 

Schauen Sie sich Ihre Zunge immer mal wieder an, dann erkennen Sie, ob Ihr Lebensstil Ihnen schadet oder gut für Sie ist. Die Zunge sollte möglichst keine Risse haben, also glatt sein, aber auch nicht geschwollen sein. Der Belag sollte dünn und weiß sein und nicht fehlen. Auch ein dicker oder klebriger Belag ist nicht optimal. Der Zungenkörper sollte durch den Belag hindurch sichtbar sein. Die Farbe der Zunge sollte rosa sein. Rot, blass oder gar bläuliche Zungenfarbe zeigt, dass Sie dringend etwas für Ihre Gesundheit tun sollten. Genauso ein gelber oder gar bräunlicher Belag. Der Rand sollte glatt sein, nicht gerötet und keine Zahneindrücke zeigen. Diese erkennen Sie daran, dass die Zunge geschwollen ist und der Rand Unregelmäßigkeiten und Wellen aufzeigt.

Ich persönlich bin nicht fürs Zungen-Schaben, aber darüber lässt sich sicherlich streiten.

 

Milz-Qi-Schwäche an der Zunge erkennen

 

Diese entsteht ganz schnell und zeigt, dass Sie gerade nicht ganz in Ihrer Mitte sind und ev. Stress haben. In unserer Gesellschaft ist die Milz-Qi-Schwäche das zentralste Problem. An der Zunge zeigt sie sich durch einen welligen Rand, der entsteht, wenn die Zunge leicht geschwollen ist, dadurch an die Zähne gepresst wird und Zahneindrücke zeigt. Haben Sie solche Zahneindrücke, dann sollten Sie Ihre Mitte stärken, möglichst oft warm essen und Getreide sollte den Hauptanteil auf Ihrem Speiseplan bilden. Denn eine Milz-Qi-Schwäche bedeutet, dass Ihr Verdauungsfeuer nicht optimal funktioniert. Dies kann zu Feuchtigkeitseinlagerungen führen, Müdigkeit, Übergewicht und langfristig auch zu Diabetes Mellitus oder anderen Stoffwechsel-Erkrankungen. Weitere Tipps dazu gebe ich im Beitrag Faszien und Bindegewebe, Abnehmen und Ernährung nach TCM.

 

Hitze

 

Die Hitze-Zeichen an der Zunge sind meist eindeutig: die Zunge ist rot, hat einen gelblichen oder bräunlichen Belag und ev. gibt es noch rote Papillen, also rote Punkte. Jeder Belag, der nicht ganz rein weiß ist, zählt hierbei als gelblich. Bonbons, Kaffee, Rauchen und Kräutertee kann die Zunge oder den Belag verfärben, deswegen schauen Sie am besten morgens und lassen Sie zwischen Essen und Trinken eine Stunde Abstand, wenn Sie tagsüber Ihre Zunge anschauen.

Unbedingt sollten Sie Hitze-Zeichen ernst nehmen und scharfe Gewürze, Ingwer, Kaffee, Rauchen und gebratenes oder gegrilltes Fleisch meiden. Empfehlenswert ist Getreide und Obst sowie Gemüse, am besten gedünstet. Getreide wirkt thermisch neutral auf den Körper, ist also immer empfehlenswert und Obst und Gemüse wirken leicht kühlend und leiten also die Hitze aus. Fleisch dagegen ist eher wärmend. Schauen Sie auf den Nahrungs-Tabellen, welche Lebensmittel kühlend oder neutral wirken. Diese Tabellen sowie weitere Tipps zum Umgang mit Hitze finden Sie im Beitrag Ernährung nach TCM. Leider widersprechen sich die Bücher und Tabellen da etwas, deswegen mache ich hier keine Empfehlungen.  Aber werden Sie nicht zum Fanatiker. Möchten Sie unbedingt etwas essen, was eigentlich nicht förderlich für Sie ist, dann kombinieren Sie es mit einem anderen Lebensmittel, welches gegenteilig wirkt und schon wird die Wirkung abgemildert. Beispiel: Sie lieben Zimt und haben aber Hitze-Zeichen. Dann kombinieren Sie den Zimt mit Soja-Drink, der wirkt kühlend und gekochtem Reis. Dann haben Sie einen leckeren Zimt-Nachtisch, der Sie gut nährt.

Hitze kann durch zu viel Yang oder zu wenig Yin entstehen. Ist Ihr Gesicht rot, mögen Sie keine Wärme-Anwendungen und ihr ganzer Körper ist heiß, dann spricht dies für zu viel Yang. Haben Sie allerdings nur rote Wangen und sind nur Füße, Hände und Gesicht heiß, manchmal frieren Sie allerdings auch, dann spricht dies für Yin-Mangel.

 

Yin-Mangel

 

Yin-Mangel ist eine Form von Hitze. Also gilt alles, was oben geschrieben steht, auch hier. Ein Yin-Mangel, besonders der Nieren ist normal, je älter Sie sind. Besonders Wechseljahr-Beschwerden zeigen einen Nieren-Yin-Mangel. Es gilt die Faustregel: je älter Sie sind, um so wahrscheinlicher ist es, dass Sie Hitze-Zeichen auf Ihrer Zunge finden. Das ist also ganz normal. Aber auch bei Kindern ist ein Yin-Mangel eher die Norm, solange sie sich im Wachstum befinden. Denn Wachsen benötigt Substanz, also Yin.

Auf der Zunge erkennen Sie einen Yin-Mangel durch die Hitze-Zeichen rot, gelblicher Belag und möglicherweise rote Punkte (Papillen). Ist der Yin-Mangel länger andauernd oder stärker, dann wird der Belag immer weniger, bis er fehlt und Risse oder tiefe Mulden kommen hinzu. Finden Sie diese Yin-Mangel-Zeichen auf Ihrer Zunge, sollten Sie wirklich dringend etwas für Ihre Gesundheit tun. Denn sonst werden Sie früher oder später unter Unruhe-Zuständen, Schlafstörungen oder Hitzewallungen leiden. Auch Trockenheit der Haut ist ein typisches Zeichen für Yin-Mangel.

Um das Yin aufzufüllen, brauchen Sie im Durchschnitt sieben Jahre, also ist Ihre konsequente Mitarbeit gefragt. Denn da wird sich mit ein paar Behandlungen beim Therapeuten zwar eine deutliche Verbesserung zeigen, aber jeder erneute Raubbau, jede stressige Zeit, jeder Schlafmangel und zu wenig Pausen wird Ihnen das wieder rückgängig machen. Um Ihr Yin aufzubauen sind regelmäßige Ruhepausen und genügend Schlaf wichtig.

Natürlich spielt die Ernährung die entscheidende Rolle. Damit der Körper das Yin aus der Nahrung auch wirklich aufschließen kann, ist eine gesunde Milz wichtig. Deswegen ist bei Hitze das Stärken der Milz zentral und ist bei Beschwerden jeglicher Art das Wichtigste.

Als Motivation sei hinzugefügt: das Stärken Ihres Yin wird Ihren Alterungsprozess deutlich verlangsamen. Somit ist Obst und Gemüse gedünstet ein wahrer Jungbrunnen. Genießen Sie Getreide zum Obst und Gemüse, dann hat Ihr Körper auch noch die notwendige Aktivität (Yang und Qi), um gut Verdauen zu können.

 

Kälte

 

Kälte entsteht im Körper, wenn es zu wenig Qi gibt oder dieses nicht ordentlich fließt, also stagniert. Die Leber-Qi-Stagnation ist neben der Milz-Qi-Schwäche das häufigste Problem in unserer Gesellschaft. Die Qi-Stagnation zeigt sich durch kalte Hände und Füße, die durch Bewegung besser werden.

Durch die mangelnde Produktion des Nahrungs-Qi in der Milz und die mangelnde Verteilung des Qi kommt es dann in den einzelnen Organen zu Qi-Mangel und später zu Yang-Mangel.

Bleibt die Qi-Schwäche länger bestehen, dann bildet sich zu wenig Yang und es kommt zu einem Yang-Mangel. Dieser zeigt sich neben der Kälte-Problematik vor allem in Erschöpfung, Müdigkeit und fehlendem Antrieb.

Meist entsteht auch Feuchtigkeit und/oder Schleim. Folglich ist Übergewicht immer ein Kälte-Zustand.

Kälte zeigt sich an einem blassen Zungenkörper, Feuchtigkeit an einer zu dicken oder zu breiten Zunge, die geschwollen ist. Diese kann auch Zahneindrücke aufweisen.

Um Kälte zu behandeln, muss also das Yang und vor allem das Qi gestärkt werden und hierfür ist wieder die Milz am Wichtigsten.

 

Die Zonen der Zungen im Einzelnen

 

Das Bild, dass Sie ganz oben auf dieser Seite sehen, zeigt die Zungen-Zonen im Einzelnen. Grob kann man sagen, der hintere Teil gehört zu Niere und Blase, die gesamte Mitte zu Milz und Magen, die Ränder zu Leber und Galle der vordere Bereich zur Lunge und die Zungenspitze zum Herz.

Bitte achten Sie auf Rötungen, Änderungen in der Farbe oder Dicke des Belags, Änderungen der Farbe des Zungenkörpers, Risse, Mulden und Schwellungen.

 

Kälte und Hitze in Kombination

 

Bei den meisten Menschen – so auch bei mir – sind Kälte- und Hitze-Zeichen gleichzeitig zu finden. Beispielsweise ist die Zunge blass, leicht geschwollen, mit Zahneindrücken. Das zeigt Milz-Qi- und Yang-Mangel. Gleichzeitig gibt es hinten einen gelblichen Belag mit roten Papillen.  Das zeigt einen Nieren-Yin-Mangel. Ist die Zungenspitze gerötet, zeigt dies eine Herz-Hitze und sind die seitlichen Ränder rot oder geschwollen, so zeigt dies eine Leber-Qi-Stagnation oder Leber-Hitze an.

 

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